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Da auch wir für den Artenschutz sind und alles dafür tun möchten, dass Tiere und Pflanzen weiterbestehen und sich vermehren können, haben wir diese Bereichte und Informationen mit freundlicher Genehmigung des Autors Jörg Asmus bei uns veröffentlicht.
Coracopsis nigra Von Jörg Asmus Farbenprächtig und sprachbegabt sollte ein Papagei schon sein, will man der allgemeinen Auffassung Folge leisten. Der absolut größte Teil, der etwa 330 verschiedenen Arten, erfüllt diese Vorraussetzungen. Eine Papageiengattung aber fällt nicht nur allein durch die eintönig schwarzbraune Gefiederfärbung aus diesem Rahmen, sondern auch durch andere papageienuntypische Verhaltensweisen – die Gattung der Vasapapageien (Coracopsis). Neben dem Großen Vasapapageien (Coracopsis vasa) gehört der Kleine Vasapapagei (Coracopsis nigra) zu diesen außergewöhnlichen Erscheinungen innerhalb der Ordnung Papageienvögel. Von dem Letzteren soll in diesem Bericht die Rede sein. Ich halte seit einiger Zeit selbst ein Paar Kleiner Vasapapageien in einer meiner Volieren. Hierbei handelt es sich um Exemplare der Unterart C. n. nigra, der Nominatform dieser Art. Die Kleinen Vasapapageien zeichnen sich nicht, wie bereits genannt, durch ein buntes Gefieder aus, sondern durch ihre interessanten Verhaltensweisen, die auch gar nicht so recht in das Klischee der Papageienvögel passen wollen. Für mich war das der Grund mich etwas mehr mit dieser Vogelart zu beschäftigen. Ich versuchte über das Internet und in verschiedenen Fachzeitschriften durch Kontaktanzeigen mit anderen Haltern dieser Papageienart in Verbindung zu treten. Diese Bemühungen erfüllten im Ergebnis nicht meine Erwartungen. Im August diesen Jahres schloss ich Bekanntschaft mit Herrn Anton Schreuders aus den Niederlanden. Ein Zuchtfreund, der ausschließlich Kleine Vasapapageien der Unterarten C. n. nigra und C. n. libs in seiner Kollektion hält, und dass gleich zu mehreren Paaren. Der Erfahrungsaustausch und die Berichte des Herrn Schreuders von seiner Madagaskarreise bewegten mich dazu mehr über die derzeitige Situation des Kleinen Vasapapageien in seiner Heimat und in Menschenobhut erfahren zu wollen. Letztendlich kam ich nach einigen Recherchen zu einem erschreckenden Ergebnis, was den Status dieser Art in dessen Heimat betrifft. Darüber möchte ich im Folgenden kurz berichten, aber vorher noch auf die Verhaltensweisen des Kleinen Vasapapageien eingehen, die diesen Vogel so interessant machen. Die Gestalt des Kleinen Vasapapageien erinnert in der Erscheinungsform eher an eine Taube. Der schlanke Körperbau, der lange Hals und der relativ kleine Kopf geben Anlass zu diesem Vergleich. Die dunkle Gefiederfärbung dieser Tiere wird ausschließlich durch Melanin hervorgerufen. Zur Brutzeit verfärben sich die Schnäbel der Vasapapageien vom sonst üblichen dunklen - zum hell hornfarbenen Farbton. Danach werden die Schnäbel beider Geschlechter wieder fast schwarz. Die sichtbaren Hautpartien des Weibchens an der Kopf- und Halsregion verfärben sich zusätzlich zur Brutzeit, dann nehmen diese Hautregionen eine gelbliche Färbung an, wobei das Männchen seine dunkle Hautfärbung beibehält. Die Weibchen der Kleinen Vasapapageien behalten im Gegensatz zum größeren Vertreter dieser Gattung ihr Befiederung am Kopf auch während der Fortpflanzungszeit. Verschiedene Stimmäußerungen sind vom Kleinen Vasapapageien bekannt. Was einige Menschen als lästig und laut empfinden bezeichnen andere aber wiederum als Gesang. Hauptsächlich wird von diesen Papageien ein zweisilbiger Ton hervorgebracht, der sich aber meines Erachtens im Rahmen des Erträglichen bewegt. Vasapapageien rufen zu allen Tageszeiten, manchmal sogar vereinzelt in der Nacht. Ich habe meine Tiere in hellen Vollmondnächten sogar gegen Mitternacht in der Innenvoliere rufen hören. Die Fortbewegung der hier genannten Papageienart fällt auch nicht unbedingt unter das Erscheinungsbild eines Großpapageien. Auf Ästen laufen diese Tiere recht schnell umher, im Geäst klettern sie ebenfalls sicher und flink. Die Flugbewegung erinnert mehr an einen Greifvogel, da diese Papageien sehr schnell und gewandt fliegen. Der Flug des Kleinen Vasapapageien sieht insgesamt sehr leicht aus. Die Vasapapageien besitzen ein sehr großes Badebedürfnis. Bei Regen hängen diese Papageien sich an das Gitter der Decke oder an die Seitenwände in der Außenvoliere und lassen sich das Gefieder durchnässen. In dieser Position schlagen sie mit ihren Flügeln gegen das Drahtgeflecht um auch jeden sich bietenden Tropfen Nass an ihr Gefieder gelangen zu lassen. Bilden sich am Boden Pfützen wird darin sofort ein Bad genommen. Aus diesem Grund ist bei der Haltung dieser Papageien eine Bademöglichkeit dringend anzuraten, wenn möglich in Form einer Badeschale und gleichzeitig einer gelegentlich eingeschalteten Beregnungsanlage. Papageienuntypisch ist aber wieder die Liebe der Kleinen Vasapapageien zum Sonnenbad. Bei direkter Sonneneinstrahlung suchen sie nicht, wie die meisten Papageien, Schutz an einem schattigen Plätzchen, sondern geben sich voll und ganz den wärmenden Strahlen hin. Oftmals sitzen sie dann mit ausgebreiteten Flügeln am Boden der Außenvoliere - aber auch auf den Sitzästen nutzen sie die Gelegenheit in den Sonnenstrahlen zu baden. Befinden sich die Papageien zu diesem Zweck auf einem Ast, dann setzen sie sich häufig längs darauf und breiten dabei ein Bein und den Flügel der gleichen Körperseite aus. Der Schwanz wird hierbei ebenfalls etwas gefächert. Im Grunde sind Kleine Vasapapageien immer in Bewegung. Eine sonst von Papageienvögeln ausgiebig genutzte Mittagsruhe scheint ihnen in diesem Ausmaß fremd zu sein. Zwar sitzen die Kleinen Vasapapageien während dieser Zeit auch etwas ruhiger auf den Sitzästen und schließen dabei auch gelegentlich die Augen, aber in dem zeitlichen Umfang, wie man es von den anderen Papageienarten kennt, geschieht dies nicht. Die Brutbiologie des Kleinen Vasapapageien ist ebenfalls ungewöhnlich und sicherlich auch einmalig im Reich der Vögel. Über das Brutverhalten in der Heimat der hier beschriebenen Art ist wenig bekannt, man nimmt an, dass sich ein Weibchen während der Brutzeit mit zwei Männchen zusammenschließt und in diesem Verband die gesamte Fortpflanzungsaktivität vonstatten geht, einschließlich der Aufzucht der Jungtiere. Ähnlich den Edelpapageien duldet das Weibchen des Kleinen Vasapapageien sein/e Männchen außerhalb der Brutzeit nicht in dessen unmittelbarer Nähe. Ist das Weibchen zur Fortpflanzung bereit ändert sich dieses Verhalten. Vorher verfärbt sich der Schnabel und später auch die bereits beschriebenen Hautregionen beim Weibchen. Das sind wahrscheinlich die Signale, dass sich das/die Männchen dem Weibchen nähern dürfen. Meist setzt dann auch erst die Änderung der Schnabelfärbung beim Männchen ein. Oftmals können in der Folgezeit dann die zunehmenden Fütterungen des Weibchens durch das/die Männchen beobachtet werden. Dies geschieht unter sehr starken ruckartigen Bewegungen. In den folgenden Tagen tritt dann beim Männchen und Weibchen die arttypische angeschwollene Kloake hervor und es kommt zu den ersten Tretakten. Häufig werden die Kopulationen nebeneinandersitzend auf einem Sitzast vorgenommen und dauern mitunter bis zu 35 Minuten an. Während dieser Zeit kommt es auch zu Fütterungen des Weibchens durch das Männchen. Seltener steigt das Männchen auf den Rücken des Weibchens, um die Kopulation vorzunehmen. Meist sind derartig ausgeführte Tretakte auch nicht von so langer Dauer wie die vorgenannten. Nachdem sich das Männchen von dem Weibchen getrennt hat, ist für noch etwa 2 Minuten die etwa 3 bis 4 cm herausgestülpte Kloake ersichtlich. Die soziale Paarbindung nimmt außer der Fütterungen, Kopulationen und der verringerten Individualdistanz einen geringen Stellenwert ein. Eine gegenseitige Gefiederpflege scheint bei dieser Papageienart bisher nicht beobachtet worden zu sein. Aber auch die Aggressivität der Vasapapageien gegenüber dem Pfleger oder anderen Vögeln steigert sich während dieser Zeit nicht. Schreiten die Kleinen Vasapapageien zur Eiablage, dann besteht die Gelegegröße meist aus 3 bis 4 Eiern. Ungewöhnlich ist die verhältnismäßig kurze Inkubationszeit dieser doch recht großen Papageienvögel. Diese wird verschiedentlich mit einer Zeit von 14 bis 18 Tagen angegeben. Erstaunlich ist hierbei, dass das Eigewicht der Kleinen Vasapapageien mit 19,6 g im Durchschnitt nur etwa 10 g leichter ist als das des Kongo-Graupapageien (Psittacus erithacus). Bedenkt man, dass ein Kongo-Graupapagei im Durchschnitt 450 g wiegt und der Kleine Vasapapagei dagegen etwa 270 g, erkennt man sofort diese weitere Eigenart. Vergleicht man nun noch die Brutzeiten dieser beiden Papageienarten, dann fällt wieder auf, dass der Graupapagei etwa doppelt solange mit der Bebrütung seines Geleges zubringt. Gerade geschlüpfte Vasapapageien besitzen an beiden Schnabelseiten einen gelbliche Wulst, welcher sich allerdings im Laufe der kurzen Nestlingszeit zurückbildet. Die Aufzucht der Jungvögel geht in einem ebenso rasanten Tempo vonstatten wie die Brut. Oft sind die Jungvögel bereits nach 40 Tagen außerhalb der Bruthöhle anzutreffen. Vergleicht man dies wieder mit dem Graupapagei, schaffen die jungen Vasapapageien das Flüggewerden in etwas mehr als die Hälfte der Zeit. Man sieht bereits anhand dieser kurzen Verhaltensbeschreibung, dass es sich bei dem Kleinen Vasapapageien um einen sehr interessanten Vogel handelt, bei dem, nach weiteren ausgiebigen Beobachtungen mit Sicherheit auch weitere, vom typischen Papageienvogel abweichende Verhaltensweisen festgestellt werden können. Immer wieder bereitet die Unterscheidung der einzelnen Unterarten dieser Art große Schwierigkeiten. In Menschenhand sind hauptsächlich die beiden Unterarten C. n. nigra und C. n. libs anzutreffen. Zudem existieren haufenweise Mischformen von diesen beiden Subspezies, die nicht unbedingt auf Kreuzungen in Menschenobhut zurückzuführen sind, da diese Mischlinge auch im Norden und Süden Madagaskars vorkommen und auch dort gefangene Vögel in den Handel gelangt sind. Der Kleine Vasapapagei ist 35 cm lang. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt, es besteht bei keinen der 4 Unterarten ein Geschlechtsdimorphismus. Die Grundgefiederfärbung ist schwarzbraun und variiert in diesem Dunkelton leicht von Unterart zu Unterart. Die Außenfahnen der Handschwingen sind grau und auch die Unterschwanzdecken besitzen eine leichte Graufärbung. Außerhalb der Brutzeit sind der Schnabel, der Augenring und die Wachshaut bei beiden Geschlechtern schwarz gefärbt. Die Iris besitzt eine dunkelbraune Färbung und die Füße eine dunkelgraue. Die Nominatform C. n. nigra bevölkert den östlichen, feuchten Teil Madagaskars. Die Unterart C. n. libs lebt dagegen im westlichen, trocken Teil dieser Insel. Im nord- und südwestlichen Bereich von Madagaskar kommt es zur natürlichen Vermischung dieser beiden Unterarten. Kleiner Komoren-Vasapapagei wird auch die Subspezies C. n. sibilans genannt. Wie der Name schon verrät kommt diese Unterart auf der Inselgruppe der Komoren vor. Der seltenste Vertreter der hier beschriebenen Art ist der sogenannte Praslin-Vasapapagei C. n. barklyi. Diese Unterart findet ihr Verbreitungsgebiet auf der Insel Praslin, einer kleinen Seychelleninsel und ist akut vom Aussterben bedroht. Diese Unterart ist im Anhang I des Washingtoner Abkommens aufgeführt. Nach letzten Schätzungen soll die Gesamtpopulation dieser Subspezies nicht einmal mehr aus 100 Exemplaren bestehen. Lebensraumzerstörungen und Nisthöhlenkonkurrenten sind die Faktoren, die die Population des C. n. barklyi in den letzten Jahren schrumpfen ließen. In den letzten Jahren hat man auf Praslin die Gefahr des Aussterbens dieser Unterart erkannt und versucht durch das Anbringen künstlicher Nisthöhlen den Bestand zu stabilisieren. Außerdem wurden zusätzlich die gewohnten Futterpflanzen und –bäume angepflanzt, in der Hoffnung eine Verbesserung der Situation herbeizuführen, doch bislang ohne Erfolg. Die anhaltende Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen und Waldbrände tragen weiterhin zu Habitatsverlusten bei. Inwieweit heutzutage der illegale Fang für die Vogelhaltung zur Reduzierung der Population beiträgt ist nicht bekannt. Erschreckend ist aber, dass noch in den Jahren 1983 und 1984 insgesamt 44 Exemplare dieser damals schon stark bedrohten Papageienart in CITES-Länder importiert worden sind. Die übrigen Unterarten des Kleinen Vasapapageien wurden noch bis 1992 als häufig bezeichnet. Der Bestand dieser 3 Subspezies galt bis dahin als sicher. Nach 1992 gibt es in der Fachliteratur keine neueren Erkenntnisse über die Populationsentwicklung des Kleinen Vasapapageien in seinen Ursprungsgebieten. Fest steht, dass die Importzahlen seit Anfang der 90-er Jahre zurückgegangen sind. Liegt dies vielleicht daran, dass ab diesem Zeitpunkt eine Populationsreduzierung stattgefunden hat? Über eine Antwort darauf lässt sich nur spekulieren und um Genaueres darüber zu erfahren bedarf es in Zukunft gezielter Recherchen auf Madagaskar und den Komoren. Die gegenwärtigen Einschätzungen beziehen sich immer noch auf die Erkenntnisse von vor 10 Jahren. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde aber auch erkannt, dass anhaltende Habitatsverluste das Überleben des Kleinen Vasapapageien in Frage stellen werden. Das Time-Magazin berichtete zum Beispiel am 01.06.1992, dass bereits 80% der madagassischen Regenwaldgebiete in der Vergangenheit zerstört worden sind. Ursächliche Faktoren sind dabei die Abholzung der Bäume zur Herstellung von Holzkohle, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen und um Weidefläche für die Viehwirtschaft zu erschließen. Oftmals werden dabei immer noch vorhandene Waldflächen durch Brandrodung für den späteren Reisanbau urbar gemacht. Schon Anfang der 90-er Jahre ist man davon ausgegangen, dass bei diesem Tempo der Waldvernichtung Madagaskar in 35 Jahren weitestgehend abgeholzt sein wird. Der Bestand des Kleinen Vasapapageien würde sich dann auch auf dieser großen Insel dramatisch reduzieren und nur einige wenige Exemplare könnten sich den neuen Lebensbedingungen anpassen. Nur mit einem sofortigen Stop der großangelegten Holzeinschläge kann der jetzige Bestand gesichert werden. Die Regierung Madagaskars hat derzeit jedoch keine derartigen Pläne in Erwägung gezogen. Im Gegenteil, die neugewählte Regierung dieses Staates hat in den letzten Jahren die Ausbeutung der Insel gebilligt. Dazu zählt, dass der Kleine Vasapapagei offiziell für den Export gefangen werden darf. Diese Erlaubnis führt unter der verarmten Bevölkerung dazu, dass dieser Teil der auf Madagaskar lebenden Menschen sich mit dem Fang dieser Vögel einen kleinen Nebenerwerb schaffen. Die Nachfrage auf dem internationalen Vogelmarkt ist für Kleine Vasapapageien zwar nicht sonderlich groß, aber dennoch wurden sie in der Vergangenheit in großen Stückzahlen gefangen. Dabei gehen die Vogelfänger sehr unvorsichtig mit diesen Papageien um. Viele der gefangen Vasapapageien sterben bereits kurze Zeit nach dem Fang, die Überlebenden werden dann häufig in sehr engen Behältnissen untergebracht, in denen sie bis zur Ankunft der Händler verweilen müssen, oft bis zu mehreren Monaten. Aus diesen Behältnissen, meist Kisten, schauen dann nur die Köpfe der Vögel heraus. Ansonsten haben die Papageien keine Möglichkeit sich zu bewegen. Ein großer Teil dieser Kleinen Vasapapageien sind dann physisch und psychisch dermaßen gestört, dass es sehr lange Zeit dauern kann bis sie sich wieder relativ normal bewegen können. Einige Exemplare werden aber auch Zeit ihres Lebens von diesen Geschehnissen gezeichnet und erholen sich nie wieder von diesen Strapazen. Weitere Bestandreduzierungen werden durch Nisthöhlenkonkurrenten hervorgerufen. Des Weiteren werden Kleine Vasapapageien von der einheimischen Bevölkerung gejagt, da sie als Ernteschädlinge angesehen werden. Kleine Vasapapageien nutzen hin und wieder das zusätzliche Nahrungsangebot auf den neu entstandenen landwirtschaftlichen Kulturflächen und bedienen sich an dem sehr guten Nahrungsangebot, obwohl dies relativ selten vorkommt. So suchen diese Papageien gelegentlich Reis- und Maisanbaugebiete auf und ziehen sich so gleichfalls den Ärger der einheimischen Bauern zu. All diese negativen Einflüsse trugen in den zurückliegenden Jahren zur Bestandsreduzierung des Kleinen Vasapapageien auf Madagaskar bei. Wie die Situation derzeit auf den Komoren aussieht entzieht sich momentan meiner Kenntnis. Der mir bekannte niederländische Züchter Kleiner Vasapapageien, Anton Schreuder, berichtete über ein Madagaskarreise im Jahr 1995. Zusammen mit seiner Freundin und einem Bekannten hielt er sich einen Monat im nördlichen Bereich der Insel auf. Ein Geländewagen diente ihnen als Fortbewegungsmittel. Mit diesem Gefährt befuhren sie den nördlichen Teil der Insel entlang des Küstenstreifens und anschließend das nördliche Mittelgebirge quer durch das Land. Anton Schreuders hatte nur ein Ziel – die Beobachtung des Kleinen Vasapapageien. Dabei wurden so ziemlich alle Lebensräume dieses Papageien aufgesucht. Es wurden Höhenlagen von bis zu 1.500 m ü. NN durchkreuzt sowie der trockene Westen und der feuchte Osten aufgesucht. Der Große Vasapapagei C. vasa ist relativ oft gesichtet worden, der Kleine Vasapapagei jedoch nur zweimal. Einmal handelte es sich um ein Gefangenschaftstier bei einem Halter in der Nähe von Tamatave, im östlichen Teil von Madagaskar. Die zweite Sichtung erfolgte in der Nähe eines Mangroven-Waldes im westlichen Madagaskar, unweit der Stadt Ankarana. Hierbei handelte es sich um zwei Einzelvögel. Aufgrund der eigenen seltenen Beobachtungen dieser Papageienvögel befragte er natürlich auch die einheimische Bevölkerung, darunter Vogelfänger, nach dem Vorkommen der Kleinen Vasapapageien. Alle Befragten teilten ihm mit, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger werde Kleine Vasapapageien in ihrem Verbreitungsgebiet anzutreffen. Vogelfänger erklärten, dass die Bestände dieser Papageienart in der letzten Zeit mehr und mehr zurückgegangen sind und ihnen immer seltener der Fang Kleiner Vasapapageien gelingt. Nach seinem Aufenthalt auf Madagaskar ist Anton Schreuders davon überzeugt, dass der Kleine Vasapapagei langsam ausstirbt. Darum widmet er sich verstärkt der Vermehrung dieser Art in Menschenobhut. Im Jahr 2001 konnte er erstmals einen Zuchterfolg der seltener gehaltenen Unterart C. n. libs verbuchen. Leider wird der Kleine Vasapapagei sehr selten in Menschenhand gepflegt und genauso wenig vermehrt. Solange dieser Papagei zu humanen Preisen auf dem Vogelmarkt erhältlich ist wird sich kaum jemand mit der Zucht dieser schlichten Papageienvögel befassen wollen, denn nicht überall in den Köpfen der Züchter ist der Grundgedanke Arterhaltung durch Zucht zu realisieren, fest verankert. Oft steht sogar die finanzielle Gewinnabsicht im Vordergrund einer züchterischen Arbeit. Dementsprechend zeichnen sich auch in Menschenobhut Bestandsrückgänge bei dieser Papageienart ab. Über aussagekräftige Bestandszahlen der in Menschenobhut gehaltenen Kleinen Vasapapageien kann nur spekuliert werden. Laut Statistiken des Bundesamtes für Naturschutz ist im Jahr 1996 ein einziger Kleiner Vasapapagei in die Bundesrepublik Deutschland importiert worden. Danach fehlten Importe. Allerdings liegen mir die aktuellen Zahlen für das Jahr 2001 noch nicht vor. Erkundigt man sich nach den selten angebotenen Kleinen Vasapapageien in der einschlägigen Fachliteratur, dann stellt sich heraus, dass es sich oftmals um ältere Wildfänge handelt, Nachzuchten sind absolute Raritäten in den einschlägigen Annoncen. In den Reihen der VZE sind mir lediglich drei Halter dieser interessanten Vögel bekannt. Herr Schreuders versuchte in der Vergangenheit vermehrt Kontakte zu verschiedenen Haltern Kleiner Vasapapageien zu knüpfen. Dabei fand er heraus, dass es in Europa etwas über 30 Halter dieser Papageienart gibt, darunter befinden sich auch einige Zoos und Vogelparks. Bei diesen Haltern sind ausschließlich die beiden auf Madagaskar heimischen Unterarten anzutreffen und natürlich einige Mischlinge. Einzig der Vogelpark Veldhoven (Niederlande) besitzt 3 Exemplare der Unterart C. n. sibilans. Eine Kreuzung der Unterarten und die weitere Verbreitung bestehender Mischlinge gilt es in Menschenobhut zu vermeiden. Dazu gehört eine eindeutige Bestimmung der einzelnen Subspezies und die unterartenreine Verpaarung der vorhandenen Tiere, denn auch bei allen Unterarten handelt es sich ebenfalls um zoologisch definierte Spezies, die es zu erhalten gilt. Bei willkürlichen Kreuzungen untereinander würden die Nachkommen derartiger Verpaarungen nur noch zu nachgezüchteten Haustierrassen mutieren und für die Nachwelt verloren sein. Für eventuell notwendig werdende Wiederauswilderungsprojekte wären diese Nachzuchten dann völlig wertlos. Aus diesem Grund arbeitet die Vereinigung „Ziergeflügel- und Exotenzüchter e. V.“ (VZE) derzeit an einem Programm um den Bestand der Kleinen Vasapapageien in Menschenobhut zu erhöhen, unter strenger Einhaltung unterartenreiner Verpaarungen. Nachdem konkrete Richtlinien für dieses Programm feststehen sollten möglichst viele Halter dieser Papageienart zur Mitarbeit gewonnen werden. Nur wenn sich das vorhandene Tierpotential vereinen und koordinieren lässt, dann lassen sich bei einem derartigen Projekt auch Erfolge erzielen. So gilt es in der weiteren Folge die vorhandenen Bestände zu katalogisieren und unterartenreine Stämme aufzubauen. Das Ziel wird es sein keine weiteren Mischformen zuzulassen und den Kleinen Vasapapageien weiter in den Anlagen der Vogelzüchter zu etablieren, ohne auf weitere Wildfänge zurückgreifen zu müssen. Ich möchte mit diesem Bericht dringend alle Freunde dieser herrlichen Papageienvögel zur Mitarbeit an diesem Programm aufrufen. Die Mitarbeit aller Züchter entscheidet letztendlich über die Zukunft dieser Vögel in Menschenhand und im weitesten Sinne natürlich auch in deren Heimat. Jörg Asmus Alt-Daber 26 16909 Wittstock |
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